Stuhlinkontinenz kann extrem belastend für Betroffene sein. Gynäkologin Marine erklärt, was Stuhlinkontinenz ist und was dahinter steckt.

Was ist Stuhlinkontinenz?

Bei einer Stuhlinkontinenz oder auch Darminkontinenz genannt kommt es zu ungewollten, unkontrollierten Verlust von Stuhl oder Darmgasen. Der Stuhl kann fest und/ oder flüssig sein. Alleine in Deutschland leiden über 5 Millionen Menschen an den Symptomen von Stuhlinkontinenz. Die Anzahl der Betroffenen wird oft als viel geringer eingeschätzt, da das Thema ein noch größeres Tabu für viele Patienten darstellt als Harninkontinenz.

Was sind Ursachen für Stuhlinkontinenz?

Die Hauptursachen für Stuhlinkontinenz sind:

  • Krankheiten wie das Reizdarmsyndrom oder die chronische Darmentzündung (IBD). Diese haben negative Auswirkungen auf den Stuhlgang. Der Stuhl hat eine abnorme Konsistenz, z. B. zu flüssig.
  • Eine Verminderung der rektale Kapazität oder Compliance (Fähigkeit, sich auszudehnen): Entzündung des Rektums…
  • Störungen der rektalen Wahrnehmung: neurologische Erkrankungen
  • Schädigung des analen Schließmuskels und des Beckenbodens. Dies kann auf einen schweren Dammrisses, einschließlich des Schließmuskels, während der Geburt zurückzuführen sein. Auch bei einer angeborenen Fehlbildung des Anus ist dies der Fall.

Was kann man tun, wenn man an Symptome einer analen Inkontinenz leidet?

Wenn Du Symptome hast, die auf eine Stuhlinkontinenz hindeuten, sprich mit deinem Hausarzt, deiner Hebamme oder einer anderen medizinischen Fachkraft, die dich an einen spezialisierten Proktologen überweisen kann.

Abhängig der Ursache der Darminkontinenz nach einer medizinischen Untersuchung, schlägt er oder sie Dir eine Behandlung vor.
Die Untersuchung kann die folgenden Tests umfassen:

  • Anorektale Manometrie (zur Messung des Drucks im Bereich des Schließmuskel und des Enddarms). Hierdurch kann die Funktion des Schließmuskels am After genau untersucht werden.
  • Anale Echoendoskopie (um den Zustand des Analschließmuskels zu visualisieren).
  • Ein Defäko-MRT (zur Untersuchung des Verhaltens der Unterleibsorgane in Ruhe und beim Pressen). 



FAQ – Beckenboden und Harninkontinenz

Ist ungewollter Urinverlust normal?

Er ist häufig: Laut Cardozo et al. (ICS, 2023) leidet jede dritte Frau an Harninkontinenz. Schwangerschaft, Geburt, Wechseljahre, intensiver Sport oder häufiges schweres Heben können den Beckenboden schwächen. Häufig heißt aber nicht, dass du dich damit abfinden musst: Es gibt Lösungen, und es lohnt sich, mit einer Ärztin oder einem Arzt darüber zu sprechen.

Welche Formen von Blasenschwäche gibt es?

Unterschieden werden vor allem die Belastungsinkontinenz (Urinverlust beim Husten, Lachen, Niesen, Laufen oder Heben), die Dranginkontinenz (plötzlicher, starker Harndrang, der schwer zurückzuhalten ist, oft bei einer überaktiven Blase) und Mischformen aus beidem. Die Form zu kennen, hilft Ärzt·innen und Physiotherapeut·innen, die passende Unterstützung zu wählen.

Was tun bei Blasenschwäche – und an wen kann ich mich wenden?

Der erste Schritt ist ein Gespräch mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt, einer Urologin oder einem Urologen oder Ihrer Hausarztpraxis. Nach einer Untersuchung kann Ihnen die Ärztin oder der Arzt Physiotherapie mit Beckenbodentraining auf Rezept verordnen. Die Kosten übernimmt in der Regel die gesetzliche Krankenkasse, gegebenenfalls abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung. Regelmäßige Übungen zur Stärkung des Beckenbodens zu Hause können diese Begleitung ergänzen.

Hilft Biofeedback bei Harninkontinenz?

Beim Biofeedback wird die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur in Echtzeit sichtbar gemacht. So lässt sich erkennen, welche Muskeln beim Training tatsächlich angespannt werden. In einer klinischen Studie am Universitätsklinikum Straßburg mit Frauen mit Belastungsinkontinenz gaben 98 % der Teilnehmerinnen nach dreimonatiger Anwendung des Beckenbodentrainers Emy Trainer eine Verbesserung ihrer Lebensqualität an (Jochum et al., 2021). Bei Belastungsinkontinenz können die Kosten für den Emy Trainer nach ärztlicher Verordnung von der Krankenkasse übernommen werden. Bei unfreiwilligem Urinverlust lassen Sie sich bitte zunächst ärztlich beraten.

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